17.02.2026
Heute stand ein oft besuchtes Waldstück auf dem Tagesplan: der untere Schächenwald. Dieses Gebiet ist nicht nur wegen seiner einfachen Erreichbarkeit toll, sondern auch weil schon Anton Gisler (1820-1888) dort viele Pilze gefunden und dokumentiert hat. Jetzt wo dieses Waldstück öffentlich zugänglich ist, können wir dort nachschauen gehen, ob wir diese Arten wiederfinden. Wobei es zum teil schwierig ist herauszufinden, wo er genau was gefunden hat.
Gleich am Anfang meiner Runde steht ein einst prächtiger, mittlerweile etwas mitgenommener dunkler Tannenlackporling (Ganoderma carnosum).

(Bild 1: Dunkler Tannen-Lackporling)
Dieser Pilz ist immer wieder eine Pracht, wenn er mal wieder unerwartet in mein Sichtfeld tritt. Er hat etwas majestätisches an sich mit seinem Habitus (Erscheinungsbild). Der Pilz ist verwandt mit dem glänzendem Lackporling (Ganoderma lucidum), auch als Reishi bekannt und beliebt als Vitalpilz.
Direkt neben diesem Strunk befindet sich ein ebenso interessanter Asthaufen. Dort wachsen gleich vier Arten auf engstem Raum. Zuerst ist mir der sehr ausgeprägt entwickelte Warzige Drüsling (Exidia nigricans) aufgefallen. Er hat sich über den ganzen Stamm hin entwickelt (aber fleckig, nicht deckend), wahrscheinlich weil es so viel geregnet hat in letzter Zeit.

(Bild 2: Warziger Drüsling)
Der Pilz gehört zu den Drüslingen in der Familie der Ohrlappenpilzverwandte (Auriculariaceae). Er fühlt sich richtig toll gschluddrig an. Der stoppelige Drüsling (Exida glandulosa) sieht diesem sehr ähnlich. Er wäre jedoch schmäler am Stubstrat angewachsen und hätte grössere Sporen. Beide Pilze weisen unter der Lupe so kleine Körnchen oder Warzen auf, die auf dem folgenden Bild zu sehen sind.

(Bild 3: Warzen des warzigen Drüslings unter der Lupe)
Beim gleichen Asthaufen war eine weitere Art aus der Verwandtschaft der Auriculariaceae zu finden: Das Judas-Ohr (Auricularia auricula-judae).

(Bild 4: Judas-Ohr in verschiedenen Entwicklungsstadien)
Er fühlt sich dementsprechend ähnlich gallert-artig an wie die der vorige Pilz. Trotzdem oder auch gerade deswegen ist er ein geschätzter Speisepilz. Und dies scheinbar schon seit Langem: Schon um 1546 habe sich ein deutscher Botaniker (H. Bock) mit den Speisepilzen beschäftigt und unter diesen auch das Judasohr aufgelistet (S. Killermann-Regensburg, Zeitschrift für Pilzkunde: Original-Arbeiten: Die Mittelalterliche Pilzkenntnis S. 6, Band 6_1927, 1927). Auch in der Naturheilkunde und in der TCM findet er Verwendung.
Zudem waren am gleichen Asthaufen zwei weitere Arten direkt nebeneinander zu finden, die ich nicht näher bestimmt habe. Der schwarze, kugelige Pilz gehört sicher zu der Gattung Daldinia sp. Die Andere könnte eine Trameten-Art sein.

(Bild 5: Daldina sp. und evtl. Trametes sp.)
Das alles bereits am Waldrand, ein durchaus guter Start also. Weiter ging es dann mit einem weiteren Strunk, wo wieder ein Pilz aus der Auriculariaceae-Verwandtschaft wächst. Sehr nahe Verwandt mit dem Judasohr: Der gezonte Ohrlappenpilz (Auricularia mesenterica).

(Bild 6: Der gezonte Ohrlappenpilz)
Dieser Pilz ist das perfekte Beispiel dafür, dass man Pilze nicht anhand ihrer Oberseite bestimmen kann. Auf den ersten Blick hat man das Gefühl, es könne eine Tramete oder etwas ähnliches sein. Die Unterseite erinnert wiederum stark an ein Judasohr. Der Pilz ist nicht essbar, aber sehr schön anzuschauen.

(Bild 7: Die Schmetterlingstramete)
Als nächstes begegnete ich einer alten bekannten: Der Schmetterlingstramete (Trametes versicolor). Sie ist ebenfalls sehr hübsch, hat auf der Unterseite eine weisse bis cremefarbene Porenschicht und auch sie soll sehr gesunde Inhaltsstoffe in sich tragen. Man trifft sie oft und in verschiedensten farblichen Variationen.
Auf zum nächsten Strunk: Dort findet sich ein Pilz, an dem ich schon mal herumgerätselt habe. Damals fand ich es schwer die Sporen zu messen, da es eher weniger davon hatte. Denn das Sporenmass, bzw. die Sporenform muss bestimmt werden, um die genaue Art zu nennen. Es kam der Rundsporige Resupinatstacheling (Steccherinum bourdotii) und der Ockerrötliche Resupinatstacheling (Steccherinum ochraceum) in Frage. Dieses mal fand ich später etliche Sporen unter dem Mikroskop und kann diesen Pilz nun mit ziemlicher Sicherheit Rundsporiger Resupinatstacheling nennen.

(Bild 8: Rundsporiger Resupinatstacheling)
Auch dieser Pilz überrascht mit seiner leuchtend orangen und stacheligen Unterseite.
Anschliessend folgte ich dem offiziellen Weg zum Ende des Waldes, das an den kanalisierten Schächen grenzt. Dort hat es ein paar Jungpflanzungen von Bäumen und ein moosiger Wegrand mit entfernt stehenden Fichten und Buchen und anderen Bäumen. Ein paar Fichtenzapfen lagen dort, was mich dazu bewegte, genauer hinzuschauen. Und Tatsächlich lohnte sich die nähere Inspektion: Der Fichtenzapfenrübling (Strobilurus esculentus) war gerade dabei ein paar Zapfen zu verdauen und es zeigten sich kleine braunhütige Fruchtkörperchen.

(Bild 9: Fichtenzapfenrübling)
Diesen Pilz sammle ich ebenfalls gerne zu Speisezwecken, aber nicht im Schächenwald, denn dort ist der Boden nach wie vor belastet von der Munitionsfabrik her. Zudem geht ja die WOF mittendurch. Es empfiehlt sich Speisepilze an abgelegeneren Standorten zu sammeln, da Pilze gut darin sind Schwermetalle zu akkumulieren. Zudem sollte erwähnt werden, dass er nicht auf der offiziellen Speisepilzliste der VAPKO (Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane Schweiz) steht.
Es gibt auch einen relativ ähnlich aussehenden Verwechslungspartner, der Fichtenzapfenhelmling (Mycena strobilicola), der jedoch sehr nach Chlor riecht, oft einen eher glockig-kegeligen Hut hat und einen glänzenden Stiel. Den hab ich an dieser Stelle auf die Schnelle nicht finden können. Es kommen aber oft gleich beide an einem Standort vor.
Beim nächsten Strunk fand sich eine Art, die ich bei fast jedem Pilzspaziergang treffe: Der Gemeine Spaltblättling (Schizophyllum commune).

(Bild 10: Der gemeine Spaltblättling)
Diese Art ist in mehrfachem Sinne einzigartig. Eine dieser speziellen Eigenschaften steckt bereits in seinem Namen: Dessen Blätter sind keine Lamellen im herkömmlichen Sinne, sondern Pseudolamellen die sich zusammenschlissen können, um so eine Fruchtschicht-Kammer zu öffnen um bei feuchter Witterung abzusporen. Ist es zu trocken, dann schliesst sich die Kammer und die Spalten werden aufgerissen. Ein geschickter und einzigartiger Mechanismus mit dem der Pilz offensichtlich erfolgreich ist, denn er ist einer der am weitesten verbreiteten Pilze der Welt. Was ebenfalls interessant ist: Der gemeine Spaltblättling bildet über 23‘300 Kreuzungstypen aus. #Nonbinaryquing.
Dann wurde es richtig kalt und regnerisch und ich kehrte langsam um. Den letzten Pilz, den ich entdeckt habe ist wieder einer der Ohrlappenpilzverwandte (Auriculariaceae). Nämlich: Der weissliche Drüsling (Exidia thuretiana).

(Bild 11: Der weissliche Drüsling)
Ja und mit diesem hübschen und zugleich anzüglich schlabbrigen Zersetzer beende ich diesen Blog-Post. Bitte nehmt immer ein Pilzbuch zur Hand wenn ihr Speisepilze sammeln wollt und am besten auch sonst; Es gibt viel zu lernen! 🙂
Sporadische Grüsse
Lena
